Ausbildung in der Rettungsstelle
Die Bergrettung Sterzing hat die Verantwortung übernommen, in dem ihr zugeteilten Wachbereich in Not geratene Personen und auch Tiere im alpinen Gelände zu retten.
Um dieser Pflicht gerecht werden zu können, muss sich jedes einzelne Mitglied die notwendigen Fähigkeiten eines Bergretters aneignen. Dies geschieht zum einen bei Kursen und Fortbildungen, welche zentral von der Landesleitung angeboten werden, vor allem aber vor Ort in der Rettungstelle.
Die Ausbildung muss den Anforderungen der möglichen Einsatzszenarien gerecht werden und ist aus diesem Grund sehr vielfältig und umfangreich. Hier ist nicht die Rede von Kletterkünsten oder stundenlangen Fußmärschen, die unter Umständen vollbracht werden müssen. Diese Fähigkeiten werden vorausgesetzt. Es geht vielmehr um Einsatztaktik, Rettungstechnik und nicht zuletzt um medizinische Ausbildung.

Das zu absolvierende Ausbildungsprogramm kann in verschiedene Bereiche gegliedert werden. Keiner dieser Bereiche steht für sich allein, sondern alle ergänzen sich gegenseitig und alle sind notwendig um ein komplettes Bild zu ergeben. Nachfolgend werden die Hauptinhalte aufgezeigt, welche Jahr für Jahr wiederholt und vertieft werden müssen.
Einen ganz besonderen Stellenwert nimmt die Ausbildung der Anwärter ein. Diese ist auf der Seite Mitglied werden gesondert beschrieben.
Lawinenübung
Lawinenübung 2006
Lawinenübung 2010

Die Lawinenübung stellt eine der wichtigsten Übungen der Rettungsstelle Sterzing dar. Die Begründung ist recht einfach: kein Einsatz verlangt der gesamten Mannschaft so viel ab wie ein Lawineneinsatz.
- Bei kaum einem anderen Einatz herrscht so extrem hoher Zeitdruck.
- Die Einsatzleitung muss in den meisten Fällen Bergretter von mehreren Rettungsstellen koordinieren.
- Es muss die Gefahr für die Mannschaften richtig eingeschätzt werden; lässt das Risiko die Rettungsaktion in diesem Moment überhaupt zu?
- Wo soll auf der großen Lawine mit der Suche begonnen werden?
- Unterschiedlichste Rettungsmittel finden Verwendung: Suchhunde, LVS-Geräte, Recco, Sondierketten und nicht zu vergessen der Hubschrauber. Mit Hilfe des Depotleiters müssen diese im richtigen Moment am richtigen Ort eingesetzt werden.
- In vielen Fällen gibt es mehrere Verschüttete, was die ganze Situation um ein Vielfaches verkompliziert.

In dieser Situation muss jeder Retter eine ihm zugewiesene Aufgabe selbständig und zuverlässig erfüllen können. Das funktioniert nur, wenn durch regelmäßiges Üben die notwendige Erfahrung und Routine angeeignet worden sind.
Eisübung
Eisübung 2008
Eisübung 2010

Unser Wachbereich liegt nicht wie vergleichsweise jener anderer Rettungsstellen in einem ausgesprochenen Felsklettergebiet wie z.B. den Dolomiten. Dafür aber üben die steilen eisigen Nordwände des Hochfeilergebiets in Pfitsch eine große Anziehungskraft auf Eiskletterer aus.

Zusätzlich ist in den letzten Jahren ein steigendes Interesse am Wasserfallklettern festzustellen. Darum muss es als Priorität angesehen werden, für Unfälle, welche in diesem Umfeld passieren können, bestens vorbereitet zu sein.

Alljährlich begeben wir uns nach Pfitsch, um dort in den steilen Gletschern zum einen das Gehen im Steileis aber natürlich auch das Sichern und Bergen zu üben. In den letzten Jahren haben wir auch mehrfach eine Übung an einem gefrorenen Wasserfall durchgeführt.
Felsübung
Felsübung 2007
Felsübung 2010

Wie bereits erwähnt, ist Sterzing kein ausgesprochenes Klettergebiet. Sehr wohl aber gibt es für Einheimische und Gäste viele Möglichkeiten in den Wäldern, auf den Almen und auch im Hochgebirge unterwegs zu sein.

Aus diesem Grund ist es für uns unerlässlich jährlich auch eine Felsübung abzuhalten, um die notwendigen Sicherungs- und Bergetechniken zu wiederholen. Diese sind in leicht abgewandelter Form bei vielen Bergungen von Verunfallten anwendbar: im blanken Fels, im unwegsamen Wald und genauso im steilen Straßengraben.

Mit dieser Übung holen wir uns das nötige Wissen und Können für Rettungen von abgestürzten Wanderern genauso wie für gestürzte Mountainbiker.
Notfallmedizin - Erste Hilfe
Notfallmedizin 2003
Notfallmedizin 2005

Die ständige Wiederholung und Fortbildung im Bereich der medizinischen Ersthilfe ist für uns unerlässlich geworden. Das Haupteinsatzgebiet der Bergrettung ist unwegsames Gelände, in welchem sich Ärzte und Sanitäter manchmal nur schwer zurechtfinden oder erst nach längerer Zeit vor Ort sein können. Darum ist es oft der Bergretter, der als Erster und Einziger beim Verunfallten eintrifft. Falls an der Unfallstelle keine weitere Gefahr herrscht, ist es seine Hauptaufgabe, noch vor einer wie immer gearteten Bergung, die verunfallte Person medizinisch zu versorgen.

Seit Jahren wird die Ausbildung der Notfallmedizin in Theorie und Praxis bei der Bergrettung sehr Ernst genommen und hat einen hohen Stellenwert erhalten.
Um eine adäquate Patientenversorgung zu garantieren, müssen folgende Hauptbereiche immer wieder geschult werden: Lebenserhaltende Maßnahmen (z.B. stabile Seitenlage, Reanimation), Verletzungskunde (z.B. Wundversorgung, Schocklagerung), Internistische Notfälle (z.B. Insektenstich, Erfrierung), der Lawinenunfall, Höhenkrankheiten, Notarztassistenz oder auch Hygiene.

Verstärkte Beachtung findet auch der Bereich der Krisenintervention. Dabei geht es darum, dass zur Gesundheit nicht nur körperliche sondern auch seelische Aspekte gehören (psychische Erste Hilfe).
Schluchtenbergung
Schluchtenbergung 2006
Schluchtenbergung 2009

Da es nicht gerade massenhaft Schluchten in der Gegend von Sterzing gibt, mag es im ersten Moment ein wenig exotisch anmuten, dass wir in unser regelmäßiges Übungsprogramm die Schluchtenbergung aufgenommen haben.

Weitet man aber den Begriff aus und kennt man diese Art der Personenbergung, so ist es einfach zu verstehen, dass die angewendeten Techniken auch bei jedem Graben einsetzbar sind. Das gleiche gilt für enge Täler, Bäche oder Brücken jeder Art.
Liftrettung
Liftrettung 2007
Liftrettung 2011

Alljährlich im Herbst, nach der Sommersaison und vor Beginn der Skisaison absolvieren wir gemeinsam mit unseren Kollegen vom CNSAS, den Finanzbergrettern und der Freiwilligen Feuerwehr von Sterzing die gesetzlich vorgeschriebene Bergungsübung an der Umlaufbahn auf den Sterzinger Hausberg, den Roßkopf. Dies ist vor allem eine technische Übung bei der es darum geht, den Umgang mit den besonderen Bergegeräten zu üben.

Es wurde aber auch erkannt, dass in einem echten Notfall nicht nur das Bergen der Fahrgäste aus den Kabinen eine Herausforderung darstellt, sondern das ganze Umfeld richtig koordiniert werden muss. Die Rettung einer Person ist nicht abgeschlossen wenn diese von der Kabine auf den Boden gebracht wurde, sondern sie muss auch rasch und sicher ins Tal transportiert werden, die Personalien müssen erfasst werden und eine eventuell notwendige medizinische Versorgung muss erfolgen. Dies alles bei Minustemperaturen und möglicherweise bei Dunkelheit.

Aus diesem Grund wird alle paar Jahre auch eine Großübung abgehalten, bei welcher der logistische, organisatorische Teil einer Seilbahnbergung in den Vordergrund gerückt wird.
Nachteinsatzübung
Nachtübung 2007
Nachtübung 2009

Diese Übung wird von uns genutzt, um viele verschiedene Kenntnisse aufzufrischen, die bei Einsätzen immer wieder notwendig sind.
Als erstes trifft eine Alarmierung per Telefon ein, welche aufgenommen und richtig bewertet werden muss.
Dann muss die Einsatzleitung die verfügbaren Retter und Mittel richtig bzw. sinnvoll einsetzen oder im Laufe der Übung auch wieder umdisponieren.
Die Mannschaften müssen den oder die Hilferufenden finden (Suchaktion).
Dann gilt es den Verletzten die medizinische Erste Hilfe zukommen zu lassen und zum Schluss muss ein sicherer und schneller Abtransport organisiert und durchgeführt werden. Diese Übung erfordert zwar auch das Lösen technischer aber vielmehr logistischer Aufgaben.

Vermehrt wird versucht diese Übung an Orten durchzuführen, welche relativ unbekannt sind. Dadurch wird die für uns sehr wichtige Orts- und Geländekenntnis ständig erweitert.
Monatstreffen mit Übungen
Übung mit FF und WK 2010
Besuch Helibasis 2009
Bergeübung am E-Werk 2011

Die oben beschriebenen Übungen stellen den Schwerpunkt der sich jährlich wiederholenden Ausbildung dar, doch decken diese noch lange nicht alle notwendigen Bereiche ab.

Darum findet jeden letzten Freitag im Monat ein Treffen statt, bei welchem viele weitere Themen und Szenarien der Bergrettung behandelt werden. Angefangen bei
Seil- und Sicherungstechnik über
Funk- und GPS-Schulungen,
Geräte- und Fahrzeugkunde,
LVS-Training,
Arbeits- und Verkehrsunfälle,
Paragleiterbergung,
Besuch Helikopterbasis bis hin zu
Bergeübungen von Antennenmasten, auf Baustellen und anderes mehr.

Großen Stellenwert haben auch Gemeinschaftsübungen mit anderen Rettungsorganisationen wie z.B. Feuerwehr und Weißes Kreuz. Bei diesen werden vor allem Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit, Kommunikation und Koordination erkannt.
Aus- und Weiterbildung Diagramm

Im nebenstehenden pdf-Dokument findet man ein Diagramm, welches eine Übersicht über Aus- und Weiterbildung in der Bergrettung Sterzing darstellt.
Es ist bereits an die abgeänderten Kriterien für Anwärterausbildung ab 2012 angepasst.

Eine speziellere Grafik der Anwärterausbildung findet man auf der Seite Mitglied werden.