Lawinenseminar 2016

12. Sterzinger Lawinenseminar 2016

SEMINARABEND: Samstag, 19. November 2016 - Stadttheater Sterzing - Eintritt frei - keine Anmeldung erforderlich.

Plakat Lawinenseminar 2014

Plakat Lawinenseminar 2016
Der Vortragsabend hat wie geplant am Abend des 19. November stattgefunden. Unsere Hoffnungen wurden weit übertroffen. Ganz besonders unter der Berücksichtigung, dass in den letzten Jahren landauf landab immer mehr Initiativen dem Beispiel der Bergrettung Sterzing folgen und Veranstaltungen mit sehr ähnlichem Inhalt anbieten, wurden wir vom großen Besucherandrang fast überrascht. Bis auf den letzten Sitzplatz war das Stadttheater in Sterzing gefüllt. Das kann man ohne Übertreibung als "erfolgreich" bezeichnen.

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Das PRAKTIKUM zu diesem Seminar hat am Samstag, 14. Januar 2017 am Jaufen stattgefunden.
Die 90 verfügbaren Plätze waren in nur wenigen Stunden nach dem Vortragsabend ausgebucht.
Praktikum LS-2016

Handzettel Praktikum 2016


Das Projekt

Seminarabend
Unser Projekt „12. Sterzinger Lawinenseminar 2016“ stellt die Fortsetzung von bereits elf erfolgreich durchgeführten Veranstaltungen dieser Art dar.
Seit dieses Seminar im Zweijahresrhythmus im Sterzinger Stadttheater abgehalten wird, ist es jedes Mal durch renommierte Referenten und aktuelle Inhalte gelungen, den Saal mit über 500 Besuchern aus allen Landesteilen voll zu besetzen. Die Tatsache, dass über die Hälfte aller Teilnehmer nicht aus dem Bezirk Wipptal, sondern aus den restlichen Bezirken Südtirols und sogar außerhalb stammten, zeigt den großen Stellenwert, welche solche Veranstaltungen mittlerweile erlangt haben. Nicht nur Skitourengeher und Winterbergsteiger wollen sich auf den neuesten Wissensstand bringen, sondern genauso Snowboarder und Skifahrer. Auch viele Bergrettungs- und Alpenvereinsmitglieder sowie Bergführer und auch Skilehrer waren anwesend. Besonders auffallend: viele der Besucher waren Jugendliche. Dies unterstreicht eindrucksvoll, dass Sportarten wie Skitourengehen, Freeriden, Snowboarden oder auch Schneeschuhwandern, kurzum alle Aktivitäten im freien Schneegelände, unter den jungen Leuten großen Zuspruch finden.
Die Veranstaltung besteht auch heuer wieder aus einem Seminarabend (Mitte November 2016) und einem praktischen Trainingskurs im Gelände (Januar 2017). Wir wollen erreichen, dass den Teilnehmern eine tiefer gehende Betrachtung eines der wichtigsten Themen im Zusammenhang Lawine ermöglicht wird. Es geht primär um das Erkennen von Gefahren und darauf anwendbares, angemessenes Verhalten. Unverzichtbar ist selbstverständlich die Information und Aufklärung in Hinsicht auf Sicherheitsausrüstung und der direkt damit zusammenhängenden Kameradenrettung.

Die Zielsetzung

Praktikum am Jaufen
Bei der Tätigkeit im Bergrettungsdienst wird jedem Beteiligten schnell bewusst, wie machtlos man im Grunde als Retter bei einem Lawinenunfall ist.
Deshalb gilt es vor allem im Vorfeld durch Sensibilisierung für die Gefahren solche Unfälle zu vermeiden bzw. die eventuell davon Betroffenen darauf vorzubereiten, sich selbst helfen zu können. Vermitteln von Kenntnissen der Lawinenkunde, Sensibilisierung des Einzelnen für die Gefahren des winterlichen Hochgebirges, und vor allem sicheres Skibergsteigen und richtige Verhaltensweisen vermitteln, dadurch die Anzahl der Lawinenunfälle und somit Lawinentote zu vermindern. Aus diesem Grund veranstaltete der Bergrettungsdienst im AVS Sterzing im Sinne der Lawinenunfallprävention bereits elf erfolgreiche Sterzinger Lawinenseminare. Es geht nicht darum die Vereinskasse zu füllen! Darum sind beide Termine, Seminarabend und praktischer Trainingskurs, allen Teilnehmern kostenlos zugänglich; eine freiwillige Spende soll helfen, die großen Unkosten zu decken.

Der Hauptreferent

Jürg Schweizer

Jürg Schweizer

Er studierte Umweltphysik an der ETH Zürich und promovierte in Glaziologie. Er ist langjähriger leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am SLF mit den Forschungsschwerpunkten Schneemechanik, Lawinenbildung, Schneedeckenstabilität und Lawinenprognose. Die Erkenntnisse aus der Forschung setzt er um in der Ausbildung und als Sachverständiger bei Lawinenunfällen. Seit 2011 ist er Leiter des SLF in Davos.



Der Vortrag „Lawinen – Was würde passieren wenn…?"

Jürg Schweizer beleuchtet in seinem Vortrag zum einen die lawinenbildenden Prozesse, die zum Auslösen einer Lawine führen und zum anderen die Herangehensweisen zur Beurteilung der Gefahr und letztlich des Risikos, sowie strategische Methoden und Risikoüberlegungen, welche die Konsequenzen eines Lawinenabgangs betrachten: Was würde passieren wenn…?
Bevor eine Schneebrettlawine abgeht, kommt es in der Schneedecke zu einer Reihe von Bruchprozessen. Dabei macht das komplexe Zusammenspiel zwischen Schwachschicht und den darüber liegenden Schichten, dem Schneebrett die Musik – wobei Dicke, Dichte, Verformbarkeit und Zugfestigkeit des Schneebrettes und die Festigkeitseigenschaften der Schwachschicht, die erste Geige spielen. Sie entscheiden darüber, ob es zum Bruch kommt und ob sich ein solcher auch ausbreitet.
Die Bildung einer trockenen Schneebrettlawine als das Resultat mehrerer Bruchprozesse zu betrachten, hat unser Verständnis der Lawinenbildung in den letzten Jahren wesentlich verbessert. Das bessere Verständnis, wie die Schichtung zur Lawinenbildung beiträgt, erlaubt es heute, dem Prozessdenken wieder den gebührenden Platz bei der Lawinengefahrenbeurteilung einzuräumen.
Die Schneedecke zu berücksichtigen heisst, sich zu überlegen, ob die passende Schichtung vorhanden ist. Gibt es eine Schwachschicht? Ist sie von einem Schneebrett überlagert? Ist diese Schichtung verbreitet vorhanden? Lässt sich ein Bruch in der Schwachschicht initiieren und wird er sich ausbreiten?
Neben der Analyse dieser lawinenbildenden Prozesse, bleiben uns noch zwei weitere Herangehensweisen zur Beurteilung der Gefahr und letztlich des Risikos. Einerseits gibt es die strategischen Methoden, die Hangsteilheit und Lawinengefahrenstufe berücksichtigen, andererseits Risikoüberlegungen, welche die Konsequenzen eines Lawinenabgangs betrachten: Was würde passieren wenn?
Verknüpfen wir die strategischen Methoden mit den lawinenbildenden Prozessen und den Risikoüberlegungen, dann sind wir heute im Stande bessere, risikobasierte Entscheide im Bezug auf die Lawinengefahr zu fällen als früher. Trotzdem ist es auch nach fast 80 Jahren Schnee- und Lawinenforschung aber nicht möglich, den genauen Ort und Zeitpunkt eines Lawinenabganges zu prognostizeren. Der Berücksichtgung dieser Unsicherheit kommt bei Entscheiden von großer Tragweite daher große Bedeutung zu. Ausgewählte Fallbeispiele runden den Vortrag ab.

Der Referent zum Thema Kameradenrettung

Maurizio Lutzenberger

Maurizio Lutzenberger

Berg- und Skiführer, Bergführerausbildner
und Promoter von Mammut.





Vortrag: "Nur 15 Minuten! – Anleitung für die Kameradenrettung bei einem Lawinenunglück"
Dieser Kurzvortrag steht unter dem Motto: "Wissen bedeutet viel - entscheidend ist die Anwendung". Bei einer Totalverschüttung nach einem Lawinenabgang ist der Zeitdruck enorm, denn innerhalb der ersten 15 Minuten können noch 9 von 10 Verschütteten lebend geborgen werden. Eine Bergung innerhalb der ersten Viertelstunde ist in der Regel nur durch Kameraden, kaum jedoch durch den organisierten Rettungsdienst möglich. Voraussetzung für Bergezeiten unter der kritischen 15-Minutengrenze ist eine rasche Lokalisation des Verschütteten mit LVS-Geräten, die heute neben Schaufel und Sonde zur Standardausrüstung der Tourengeher und Variantenfahrer gehören. Inwieweit sie tatsächlich Menschenleben retten können, wird im Vortrag erläutert.

Die Referenten des Fallbeispiels

Werner Beikircher

Werner Beikircher

Berg- und Schiführer, Arzt.






Lukas Forer

Lukas Forer

Leiter der Bergrettung Sand in Taufers






Vortrag: "Die Riesenlawine an der Schneespitze – Eine Analyse"
Am 6. Januar 2015 lösen Tourengeher im über 40° steilen Gipfelhang der Schneespitze im Reintal/Südtirol eine Lawine aus. Ein Mensch kann nur noch tot ausgegraben werden, ein weiterer stirbt zehn Tage später im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Die Primärlawine löste allerdings zig weitere Lawinen aus und es hätte auch dutzende weitere Skitourengeher erwischen können, die an diesem Tag unterwegs waren. Werner Beikircher und Lukas Forer über ein Lawinengeschehen, das unter die Haut geht.

Die Einladung und das Programm

Einladung und Information Lawinenseminar 2016



In dieser Einladung finden Sie alle Informationen nochmals kompakt auf einer Seite.

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Viel Arbeit für ein Ziel

Lawinenseminar Schlussbericht
Auch für das 12. Sterzinger Lawinenseminar sind aufwendige Vorbereitungen notwendig und was Sponsoren und Bürokratie betrifft, hat sich gegenüber den vergangenen Jahren nichts geändert: es bedeutet viel Arbeit und Überzeugungskraft. Aber auch unsere Meinung hat sich nicht geändert: die ganzen Genehmigungen, Ansuchen, Amtswege, Plakate, Flugzettel, Texte, Rundschreiben, Presseaussendungen und Emails machen sich am Ende bezahlt.

Was diese ganze Arbeit bringen, was am Ende dabei herauskommen soll, das können die Berichte der vorangegangenen Lawinenseminare verdeutlichen.